Münchsteinach: Romanische Farben und ein Kloster voller Geschichte
Adalbero von Steinach und seine Schwester Adelheid stellten ihren Erbbesitz für das Benediktinerkloster zur Verfügung. Als Gründungsjahr wird häufig 1133 genannt; die historische Darstellung der Gemeinde setzt die Gründung dagegen um 1140 an. Das Münster entstand im 12. Jahrhundert und war wohl um 1180 fertiggestellt. Einen Hinweis liefern Gerüsthölzer, die bei der späteren Renovierung im Boden gefunden wurden: Die untersuchten Bäume waren 1173 und 1177 gefällt worden. Das Haus der Bayerischen Geschichte zählt die ehemalige Abteikirche wegen ihrer Architektur, Farbigkeit und figürlichen Reliefs zu den bedeutendsten romanischen Kirchen Frankens.
Vom Eingang aus fällt der Blick durch das hohe Mittelschiff zum Altar. Seitlich öffnen sich die Arkaden zu den beiden niedrigeren Schiffen. Die kräftigen Pfeiler tragen Bögen mit roten und gelben Farbfeldern; auf den Stützen wechseln geometrische Muster. An der Mittelschiffwand zeichnet eine aufgemalte Fugengliederung das Mauerwerk nach. Die mittelalterliche Bemalung wurde bei der Restaurierung freigelegt und teilweise ergänzt. Der Raum vermittelt damit etwas, das bei der Vorstellung von steinsichtigen romanischen Kirchen leicht verloren geht: Auch ihre Innenräume waren farbig gestaltet. Weiter östlich lohnt sich der Blick auf die Kapitelle. Tiere, Blattwerk und unterschiedliche Figuren geben den steinernen Stützen jeweils ein eigenes Gesicht. Die Bauformen weisen auf die Hirsauer Bauschule hin, die zahlreiche Benediktinerkirchen prägte.
Das Abtsschlösschen mit seinen rot und weiß gefassten Fensterläden steht wenige Schritte vom Münster entfernt. Christoph von Hirschaid, seit 1519 letzter Abt des Klosters, ließ sich hier einen eigenen Sitz errichten. Der Bau belastete die Finanzen erheblich. Im Bauernkrieg von 1525 wurde die Anlage geplündert und angezündet; Teile der Kirche und der westliche Klosterflügel gingen verloren. Die Aufständischen hielten den Abt fünf Wochen gefangen. Nach seiner Freilassung bemühte er sich um den Wiederaufbau, doch mit der Reformation endete das Klosterleben. Christoph suchte im Winter 1528/29 Schutz in Würzburg und starb dort im Mai 1529. Die Verwaltung übernahm anschließend ein markgräfliches Klosteramt. Neben dem Schlösschen blieb der östliche Konventflügel erhalten und prägt mit der Kirche den ehemaligen Klosterbezirk.
Über Jahrhunderte war der Kirchenraum geteilt: Im Osten feierte die evangelische Gemeinde Gottesdienst, während der westliche Teil als Getreidespeicher diente. Nach dem Einsturz des Chorgewölbes 1723 wurde der genutzte Bereich umgestaltet und am ersten Advent 1724 eingeweiht. Der Hochaltar von 1750 und die Kanzel von 1776 gehören zu dieser jüngeren Ausstattung. Erst die Restaurierung von 1965 bis 1970 führte die getrennten Raumteile wieder zusammen. Beim Abbruch der Trennmauer kamen romanische Werkstücke zum Vorschein. Aus diesen und weiteren Funden wurde der Lettner rekonstruiert, der einst den Bereich der Mönche vom Laienraum trennte. Heute steht er im südlichen Seitenschiff. Seine Reliefs lassen sich dort aus der Nähe betrachten; im Chor stehen weiterhin die reich geschnitzten barocken Ausstattungsstücke.
Draußen hilft das Klostermodell, die historische Anlage zu überblicken. Im kleinen Maßstab stehen Kirche, Klausur und Wirtschaftsgebäude nebeneinander; die beiden einstigen Kirchtürme machen den Unterschied zum heutigen Erscheinungsbild deutlich. Wer anschließend durch den Ort geht, begegnet der Klostergeschichte an weiteren Gebäuden. Der Rundgang „Zeitreise“ beginnt im Klosterhof und führt an 30 Informationstafeln entlang bis zur ehemaligen Klostermühle. Er wurde 2012 zur Feier der ersten urkundlichen Erwähnung vor 1100 Jahren eröffnet. Historische Fotografien und Erläuterungen zeigen, wie sich Häuser und ihre Nutzung verändert haben. Die Gemeinde veranschlagt für den Weg etwa eineinhalb Stunden. Zur Vorbereitung lässt sich außerdem ein virtueller Rundgang durch Münster und Klosterhof auf ihrer Internetseite aufrufen. Ansprechpartner für weitere Auskünfte ist die Gemeinde Münchsteinach, Kirchenweg 6, Telefon 09166 210.